Trauma entsteht nicht allein dadurch, was uns passiert. Entscheidend ist auch, was unser Nervensystem in diesem Moment erlebt – und ob wir genügend Sicherheit, Schutz, Orientierung und Unterstützung haben, um das Erlebte zu verarbeiten.
Wenn etwas zu viel, zu schnell, zu bedrohlich oder zu lange andauert und wir keine Möglichkeit haben, uns ausreichend zu schützen oder wieder in Sicherheit zu kommen, kann unser Nervensystem in einem Schutzmodus bleiben.
Dann kann etwas, das eigentlich vorbei ist, im Körper weiterwirken.
Wir reagieren vielleicht stärker, schneller oder anders, als wir es uns eigentlich erklären können. Wir werden laut, ziehen uns zurück, erstarren, funktionieren, kontrollieren oder verlieren den Zugang zu uns selbst. Nicht weil mit uns etwas nicht stimmt – sondern weil unser Nervensystem gelernt hat: So schütze ich mich.
Wenn das Nervensystem überlastet ist und alte Prägungen uns Eltern anders reagieren lassen als wir uns das wünschen, kommen wir manchmal nicht mehr aus dem Teufelskreis heraus.
Bindungs- und Entwicklungstrauma verstehen
Unsere frühen Beziehungen prägen, wie wir Sicherheit, Nähe, Bedürfnisse und uns selbst erleben.
Bindungstrauma kann entstehen, wenn ein Kind wiederholt erlebt, dass die Menschen, von denen es abhängig ist, nicht ausreichend Sicherheit, Resonanz oder Schutz geben können. Das Kind passt sich an, um die Verbindung zu erhalten: Es wird vielleicht besonders angepasst, zieht sich zurück, übernimmt Verantwortung oder lernt, eigene Bedürfnisse zurückzuhalten.
Entwicklungstrauma beschreibt, was solche Erfahrungen mit der Entwicklung machen können. Bestimmte Fähigkeiten und Ressourcen – etwa sich sicher zu fühlen, Grenzen zu setzen, den eigenen Willen zu spüren oder Unterstützung anzunehmen – können sich nicht ausreichend entfalten oder später schwer zugänglich werden.
Aus körperorientierter Sicht geht es deshalb nicht nur darum, zu verstehen, was passiert ist. Es geht darum, neue Erfahrungen zu ermöglichen:
Ich bin sicher. Ich darf Bedürfnisse haben. Ich darf mich orientieren. Ich darf Nein sagen. Ich darf Unterstützung annehmen. Ich darf in Beziehung sein und trotzdem ich selbst bleiben.
Entwicklung ist nachholbar. Sicherheit ist erfahrbar. Und Veränderung beginnt dort, wo wir uns wieder mit uns selbst verbinden.